Auf ein Wort

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28.05.2020

Der April 2020 ist ein trockener Monat. Der Wald leidet. Feuerwehren rücken aus. Waldbrände nahe Tschernobyl bringen Sorge. Wolken von Staub lassen sich auf Windschutzscheiben und Autodächern nieder. Die Waschanlage an der Hattinger Straße ist geöffnet. Seifenlauge spült Staub und Virus weg.
Der Sommer ist Ferienzeit. Brechen Ferien auch an, wenn vorher keine Schule stattgefunden hat? Lassen sich Meer, Strand und Berge digital erleben? Der Himmel im April strahlt flugzeugfrei, niemand beschwert sich über eine ausgefallene Klimaanlage in Zügen, in denen niemand reist.
Die einen suchen einen Weg, „auf Sicht zu fahren“, andere suchen Kontakt zu PR-Agenturen, die wissenschaftliche Studien ins Gespräch bringen, bevor sie erarbeitet und überprüft sind. Eine Religionsgemeinschaft christlicher Prägung aus Hückeswagen inseriert ganzseitig in der WAZ, das Sterben sei durch die Sünde in die Welt gekommen. Kirchengemeinden desinfizieren Flächen und Klinken, markieren Abstandspunkte, damit die Kirche für kleine Gruppen geöffnet werden kann.
Der April 2020 ist trocken. Manchmal schaue ich den Kindern zu, die im Wiesental an dem kleinen Bach spielen, barfuß stehen sie am Rand, trauen sich hinein und heraus, sammeln Stöckchen und schauen sich immer wieder um zu den Eltern.

Wir werden reden müssen, wenn wir uns wieder begegnen. Über Gott und die Welt werden wir reden müssen, um zu klären, welcher Glaube trägt. Es macht einen großen Unterschied, ob ich mich nach einem Gott umschaue, der für Sünden straft, oder ob ich mich nach einem Gott umschaue, der mir mit der Liebe Jesu Christi nachschaut. Wir werden darüber reden müssen, ob wir uns Gott so vorstellen, dass er unverwundbar macht, oder ob wir im Kreuz erkennen, dass wir verwundbar sind und Sorge tragen für die, die verwundbar sind.
Sie lesen diesen Gemeindebrief im Sommer 2020. Ich stelle mir vor, wir alle sind tastend unterwegs, barfuß setzen wir Schritt vor Schritt und schauen uns manchmal um nach Worten der Liebe und Fürsorge. Wir suchen nach Worten im Gebet und finden darin Gemeinschaft. Und der Engel des HERRN kam zum zweiten Mal, rührte ihn an und sprach: „Steh auf und iss! Denn du hast einen weiten Weg vor dir.“ 1. Könige 19, 7
Mit diesem Monatsspruch für Juli 2020 grüße ich Sie herzlich.
Der April 2020 ist ein trockener Monat. Ich schaue zum Himmel und hoffe, dass der Wolkenschleier Regen bringt.

Ihre Ellen Strathmann-von Soosten