Sprachcafé im EMA-Haus

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06.06.2017

Die Zeiten ändern sind –
Hilfe wird weiterhin gebraucht

In den  letzten Monaten hat sich die Hilfe für geflüchtete  Menschen in Deutschland sehr gewandelt.

Das Grundbedürfnis aus den Camps in eigene Wohnungen ziehen zu können, ist meistenteils gestillt worden. Hier können die geflüchteten Menschen beginnen, die Folgen von Krieg, Tod und Zerstörung wenigstens ansatzweise zu bearbeiten. Oftmals leiden die Menschen an psychischen und psychosomatischen Erkrankungen, die es nun auch zu behandeln gilt. Aufgabe ist es, die Menschen in Ihrem neu gefundenen Alltag nicht allein und erneut in eine Lethargie fallen zu lassen. Abhilfe schaffen hier zum Beispiel Sprach- und Integrationskurse. Die Erkenntnis, dass die Sprache der Schlüssel zu einer dauerhaften Bleibeberechtigung ist und in der Sprache auch die einzige Chance auf Perspektiven in Deutschland liegt, erwächst nun auch in den Köpfen der Integrationswilligen.

Leider gibt es, das muss man ehrlicher Weise feststellen, aber auch genug Menschen, die die Notwendigkeit des Spracherwerbs nicht sehen. Sie denken, wenn sie arbeiten, werden sie schon nebenbei Deutsch lernen. Die Arbeitssituation speziell hier im Ruhrgebiet ist nun aber sehr angespannt. Unternehmen besetzen ihre Stellen natürlich mit Menschen, die des Deutschen mächtig sind.

Leider beißt sich hier die Katze gleich zweimal in den Schwanz. Einerseits natürlich auf Seite der Geflüchteten, die meinen, die deutsche Sprache flöge ihnen ohne Sprachkurs zu. Auf der anderen Seite gibt es aber für die Vielzahl derer, die nun endlich einen offiziellen Sprach- und Integrationskurs belegen wollen, einfach zu wenige Angebote!

Hier will unsere neue Hilfestellung ansetzen. Der Helferzusammenschluss „Willkommen im Ehrenfeld“ bietet den geflüchteten Menschen die Möglichkeit, in den Schulungsräumen des EMA-Hauses zumindest einmal in der Woche gemeinsam mit deutschen Muttersprachlern die deutsche Sprache zu erlernen und Erlerntes zu festigen. Die Jugendetage des EMA-Hauses verfügt über Schulungsräume, die aus Zuwendungen des Kommunalen Integrationsbüros der Stadt Bochum und der Alma und Heinrich-Vogelsang-Stiftung so umgebaut werden konnten, dass sie durch das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge zertifiziert wurden. Hier können offizielle Sprach- und Integrationskurse mit speziell dafür ausgebildetem Personal durchgeführt werden. Also ein idealer Ort für unser Sprachcafé-Projekt. Wir sind immer mittwochs von 19:00 bis 21:00 Uhr in den Räumen anzutreffen. Oftmals ist es aber auch die einzige Möglichkeit für die Geflüchteten, mit Deutschen ins Gespräch zu kommen. In lockeren Gesprächskreisen wird deutsch gesprochen und werden Alltagsprobleme diskutiert. Zudem werden Probleme mit Ämtern und andern Institutionen besprochen und gegebenenfalls Hilfe organisiert.

Wir hoffen, somit die Wartezeiten für die Menschen aus den Kriegsgebieten, die auf einen offiziellen Sprach- und Integrationskurs warten, sinnvoll zu füllen. Wir würden uns sehr über Verstärkung und Zuwachs freuen. Neue Ideen und Gesichter sind sehr gerne gesehen. Eine Voranmeldung ist nicht erforderlich.

WICHTIG: eine Ausbildung als Lehrer ist auch nicht vonnöten. Es reicht vollkommen aus, wenn Sie kontaktfreudig und wissbegierig sind. Unterstützen Sie unsere Arbeit und seien Sie herzlich willkommen.

Holger Saiko