100(0) Eindrücke aus Malawi (Teil 2)

Aus der Gemeinde

20.12.2018

Zusammenfassung Teil 1:
Noch am Tag der Ankunft in Malawi haben die sechs Delegationsreisenden mit dem gespendeten Geld Decken gekauft und sich mit den Gegebenheiten des Krankenhauses in Nkhoma, dem Zielort der Reise, vertraut gemacht. Nach einem reichen afrikanischen Abendessen, bei dem in drei Sprachen (Deutsch, Englisch, Chichewa) kommuniziert wurde, beziehen die Reisenden müde und glücklich ihr Quartier.

Nach einer viel zu kurzen Nacht klingelte anderen Tags um 6:00 Uhr der Wecker. Die vorhandene Dusche erwies sich im Bezug auf die Wassertemperatur als recht spartanisch, was die Zeit zwischen Aufstehen und Frühstücken etwas verkürzte. Durch ein für malawische Verhältnisse üppiges Frühstück gestärkt holte uns pünktlich um 7:30 Uhr der Senior-Koordinator Felix ab, um im ersten Dorf bzw. in der ersten Gruppe mit dem Verteilen der Hilfsgüter zu beginnen. Auf der kurzen Fahrt über holprige, ungeteerte Wege in das Dorf Madzumbi erläuterte uns Seon-Hee Lee das in der Vorbereitung erstellte Programm für die Dorfbesuche.

Von den bereits versammelten Gruppenmitgliedern wurden wir singend und klatschend empfangen, bevor wir überhaupt den Minibus verlassen konnten. Die Herzlichkeit und Offenheit, mit der die Menschen auf uns zugingen und uns die Hände reichten, überwältigte uns. Schnell hatten wir unsere mitteleuropäisch antrainierte Distanziertheit vergessen und konnten die uns entgegengebrachte Offenheit jenseits aller sprachlichen und kulturellen Barrieren erwidern. Für die Dorfältesten und uns standen im Schatten eines großen Baumes einfache Stühle bereit, während die Gruppenmitglieder, vor allem ältere oder behinderte Menschen auf dem staubigen Erdboden Platz nahmen. Dass wir uns dennoch unter die Gruppenmitglieder mischten und ebenfalls auf dem Erdboden Platz nahmen, war für uns selbstverständlich, für die Menschen vor Ort allerdings ein Novum. Nach einem Gebet zu Beginn stellten sich die Delegationsreisenden kurz vor. Als unerwartet schwierig stellte es sich dar, den Menschen aus dem Dorf begreiflich zu machen, wo wir überhaupt herkommen. Die Tatsache, dass wir zur Anreise ein Flugzeug benutzt hatten, löste nur ungläubiges Staunen aus. Erst die Aussage, dass man über ein Jahr nach Norden laufen müsste, um nach Deutschland zu kommen, rückte unsere Herkunft in den Rahmen des Vorstellbaren. Nachdem diese Hürde umschifft war, wurden die im Aufbau befindliche Organisation „Alinafe – communities of hope“ und ihre Strukturen und Arbeitsweisen erläutert. Anschließend stellten uns der Dorfälteste und der Gruppensprecher das Dorf vor und erläuterten die drängendsten Probleme der Menschen in der Gruppe. Schnell wurde klar, es fehlt diesen Menschen an allem! Es fehlt an stabilen Häusern, die während der Regenzeit ausreichend Schutz bieten, es fehlt an Nahrung, an Kleidung und an medizinischer Versorgung. Vor der Verteilung der Hilfsgüter hielt Herr Pfarrer Röttger noch eine kurze Andacht. Es folgten einige organisatorische Informationen zur Verteilung der Hilfsgüter.

Bei allen Redebeiträgen waren Übersetzungen in drei Sprachen (Chichewa, Englisch, Deutsch) erforderlich, um alle Anwesenden teilhaben lassen zu können. Zur Verteilung der Hilfsgüter teilten sich die Delegationsreisenden und die Koordinatoren in verschiedene Teams mit unterschiedlichen Aufgaben auf. Es waren die Decken zu verteilen, der Mais abzuwiegen und zu verteilen, die Seifen zu verteilen und die Medikamente auszugeben. Um internen Streit und Neid bezüglich der begrenzten Hilfsgüter zu vermeiden, waren die Gruppen vorher aufgefordert worden, unter sich zu diskutieren, wer eine Decke und wer eine Ration Mais bekommen sollte. Dies stellte sich als sehr hilfreich heraus und trug zu einem ruhigen Ablauf bei. Es war ein unbeschreibliches Gefühl, den Menschen ganz konkret helfen zu können und ihre tief empfundene Dankbarkeit und ihr Glück zu erleben. Damit keiner leer ausging, hatten wir für alle Gruppenmitglieder Seifenstücke besorgt, die sich sowohl für die Körperhygiene als auch zum Waschen der Kleidung verwenden lässt. Als Dank für unseren Besuch und unsere Mühen wurden aber auch wir reich mit Naturalien beschenkt. Süßkartoffeln, Kürbisse, Bohnen, Maiskolben, Erdnüsse wurden uns wiederum mit Gesang und Jubel überreicht. Um einige Erfahrungen reicher, glücklich und durchgeschwitzt stiegen wir nach einem Abschiedsgruppenfoto wieder ins Auto, um das nächste Dorf zu besuchen…

(Fortsetzung folgt) Florian Barth