100(0) Eindrücke aus Malawi

Aus dem Presbyterium

27.08.2018

Der erste Teil…

Vor etwa einem Jahr wussten nur die wenigsten von uns, wo Malawi überhaupt liegt, ich wusste es jedenfalls nicht. Im Sommer 2017 haben wir unser integratives Gemeindeprojekt „Hilfe für Malawi“ aus der Taufe gehoben. Nach den ersten Informationsabenden und den ersten großzügigen Spenden aus unserer Gemeinde wurde uns in der Projektgruppe schnell klar, dass wir nur wenig ausrichten können, wenn wir die Situation vor Ort nicht genau kennen. Wir wollen, dass Ihre und unsere Hilfe genau dort ankommt, wo und wie wir es geplant haben. Erzählungen und Bilder sind das eine, aber wer anderen Menschen gezielt helfen will, muss sie zuerst kennen lernen. Schnell war der Entschluss zu einer Reise gefasst, um Land und Leute kennen zu lernen und Eindrücke für die weitere Hilfe zu sammeln. Allein die Reisevorbereitungen, mit denen wir erst zu Anfang dieses Jahres begannen, waren eine Erfahrung: Pässe, Visa, Flüge und Transport, Impfungen und Gesundheitsvorsorge, Packlisten, Sprache, Kommunikation und Gepflogenheiten, Programm, Verpflegung und Unterkunft – alles wollte irgendwie besprochen, berücksichtigt und organisiert werden. Am Ende aller Vorbereitungen stand jeder der Reiseteilnehmer mit ca. 50 kg Gepäck aufgeregt am Bochumer Hauptbahnhof – es ging endlich los! Mit der Deutschen Bahn und Ethiopian-Airlines reisten wir über Frankfurt und Addis-Abeba nach Lilongwe, der Hauptstadt von Malawi.

Direkt vom Flughafen, wo uns Felix, der Senior-Koordinator unserer in Gründung befindlichen Organisation „Alinafe – Communities of hope“ abholte, fuhren wir im Minibus in die Innenstadt von Lilongwe. In einem kleinen Geschäft, welches Decken in unterschiedlicher Größe und Qualität führt, kauften wir insgesamt 228 Decken für unsere Spendenaktion „100(0) Decken für Nkhoma“. Die wirtschaftlichen Verhältnisse wurden uns plastisch vor Augen geführt, als über 3 Mio. Malawische Kwacha (ca. 3900 EUR) in Scheinen zu 2000 Kwacha, gebündelt zu großen Bauklötzen den Besitzer wechselten. Ja, für malawische Verhältnisse ist jeder von uns Millionär! Den Transport der Decken nach Nkhoma hatten unsere malawischen Partner bereits im Vorfeld organisiert. Für uns ging es im Minibus weiter, vorbei an etlichen legalen und halblegalen Polizeikontrollen, nach Nkhoma. Unterwegs merkten wir schnell, dass befestigte Straßen in Malawi außerhalb von Lilongwe und abseits der Straßen eher selten sind, was die Reisegeschwindigkeit deutlich reduziert.

Noch am Abend des Ankunftstages hatten wir die Gelegenheit. das Krankenhaus in Nkhoma zu besuchen. Im Gespräch mit der Chefärztin der Pädiatrie, die gleichzeitig auch in der Patientenadministration arbeitet, lernten wir die Nöte des einzigen Krankenhauses mit 200 Betten in einem Einzugsbereich von ca. 350.000 Einwohnern kennen. Die Patienten sind in großen Schlafsälen untergebracht und erhalten lediglich ein Bett und medizinische Hilfe, wofür sie selbst aufkommen müssen. Die Verpflegung erfolgt durch Angehörige, die auf dem Freigelände des Krankenhauses kampieren. Nicht nur für die Krankenschwestern in unserer Reisegruppe waren dies bleibende und bewegende Eindrücke. Bereits zum Umfallen müde kamen wir an diesem Abend in unserem Quartier der Mbawa-Lodge in Nkhoma an. Uns erwarteten 3 einfache Hütten mit jeweils zwei Betten, Dusche und Toilette und ein gemütlicher Gemeinschaftsraum mit Küche. Die fest über jedem Bett angebrachten Moskitonetze erinnerten uns sofort an die notwendigen Vorsichtsmaßnahmen gegen das nachtaktive Ungeziefer, das in Malawi eben nicht nur lästiges Jucken, sondern auch Malaria und andere Krankheiten verursachen kann.

Unsere Müdigkeit überwindend machten wir uns auf zu den letzten beiden Programmpunkten des Abends: Einem Treffen mit dem Pfarrer der Missionsstation und den Koordinatoren der Organisation „Alinafe – Communities of Hope“ und einem Willkommensabendessen bei Innocent, einem Mitarbeiter der Missionsstation, in dessen Haus wir während unseres gesamten Aufenthaltes abends bekocht wurden. Gespräche, das wurde schon an diesem Abend klar, gestalteten sich für unsere Gruppe in Malawi nicht einfach: Da nicht alle Mitreisenden und auch nicht jeder in Malawi über ausreichende Englischkenntnisse verfügt, wurde sowohl in Chichewa, als auch in Englisch, Deutsch und Koreanisch kommuniziert bzw. übersetzt. Von der Vielzahl an leckeren Speisen gesättigt und von vielen Eindrücken überflutet sanken wir an diesem Tag in unsere Betten. Für den kommenden Tag war das Aufstehen bereits um 6:00 Uhr angesetzt. …
Lesen Sie die Fortsetzung im Dezember 2018

Besuchen Sie auch unseren zweiten Malawi-Abend am 25.09.2018 um 19:00 Uhr in der Melanchthonkirche.

Florian Barth