Die Glocken der Petrikirche

Aktuelles

01.03.2018

Seit Ende April 2017 waren die Glocken der Petrikirche nicht mehr zu hören. Aus Sorge um den einsturzgefährdeten Dachstuhl, der den Schwingungen der Glocken nicht mehr standhalten könnte, wurden sie komplett außer Betrieb genommen. Seither wurde das Geläut von vielen Menschen in der Umgebung vermisst, trägt doch der Wind den Klang weit hinaus. Das Glockenläuten begleitete sie an allen Tagen der Woche. Es lud zu den Gottesdiensten ein, zuletzt zu denen im Baumhofzentrum. Die kleine Glocke lud morgens, mittags und abends ein, inne zu halten. Das Glockengeläut gibt Heimatgefühl und erinnert an wichtige Stationen im Lebenskreis. Fast hatte man den Klang der Glocken der Petrikirche über die Zeit schon vergessen. Bei dem unerwarteten Probeläuten Ende 2017 erinnerte sich manche/r unsicher an das Geläut vergangener Tage. Sollten das wirklich die Petriglocken gewesen sein? Ein Ingenieur mit Spezialerfahrung in Glockenfragen hatte bei diesem Probeläuten keine nennenswerten Auswirkungen der Schwingungen auf den Dachstuhl feststellen können. Er gab das Läuten unter gewissen Auflagen wieder frei.
Groß war daher die Freude, als zu Weihnachten wieder das volle Geläut der drei Glocken im Turm zu hören war. Der Einsatz des Presbyteriums für die Freigabe des Geläuts hatte sich gelohnt!

Die Glocken sind immer noch dieselben wie zur Weihe der Kirche vor 115 Jahren. Beide Weltkriege hat der Turm unbeschadet überstanden. Die Glocken wurden beim Bochumer Verein aus Stahl gegossen, die beiden größeren Glocken 1902, die kleinste 1899. Für die Gemeinde war es ein Glück, Glocken aus Gussstahl zu haben. Denn sie eigneten sich nicht zum Einschmelzen für Waffen. Glocken aus Bronze wurden insbesondere im 2. Weltkrieg konfisziert und für militärische Zwecke umgearbeitet.

Im Juli 2017 war Herr Dr. Claus Peter, Glockensachverständiger des Landeskonservators und der ev. Kirche v. Westfalen, zum Glockenstuhl hinaufgestiegen und hat dort oben alle Glocken eingehend untersucht. Es war beeindruckend zuzuschauen, wie er sich über eine Leiter jeder dieser mächtigen Glocken näherte und auch in das Gerüst des Glockenstuhls stieg. Das Ergebnis dieser akrobatischen Meisterleistung ist eine wunderbare und hochinteressante ausführliche Dokumentation. Inschriften, Größe (Durchmesser), Schlagton und mehr hat er für alle Glocken festgestellt und gemessen. Seine Angaben sind authentisch.

Bemerkenswert sind die Inschriften der Glocken.
Größte Glocke: „RAUPET LUT IN DE HÜSER REIN / NO DE KIÄRKE STOH NU INKE SINN!“
Mittlere Glocke: „EVANGELISCH BIS ZUM STERBEN / DEUTSCH BIS IN DEN TOD HINEIN“. Insbesondere diese Inschrift ist als Spiegel der Zeit zu verstehen, der Zeit des letzten deutschen Kaisers Wilhelm II., als die Verbindung von Thron und Altar hochgehalten wurde.
Die kleinste Glocke aus dem Jahr 1899 ist ohne Inschrift. Sie wurde vermutlich als Vorratsglocke, also ohne speziellen Auftrag, gegossen. Denn Pläne für den Bau der Petrikirche gab es 1899 vermutlich noch nicht.
Welche Inschrift würde man sich heute wünschen? Welche Wünsche hätten die Lebenserfahrenen, welche die Konfirmanden/innnen?

4. Glockenstuhl/Joche/Läutetechnik: ¹
Der bauzeitliche Glockenstuhl (wegen der Größe der Glocken aus Platzgründen sicher ebenfalls aus Stahl) wurde in jüngster Vergangenheit durch einen neuen feuerverzinkten Stahlstuhl ersetzt. Auch die Joche wurden damals ersetzt. Maschinen HEW VOCO tronic.

Die Läuteordnung
Jede Kirchengemeinde legt im Rahmen der landeskirchlichen Vorschriften ihre Läuteordnung fest. Mehrere Glocken rufen zum Gottesdienst. Eine einzelne Glocke läutet im Gottesdienst zum Segen oder zum Gebet, außerhalb von Gottesdienstzeiten sonntags wie werktags zum Innehalten, auch zum Gebet. Von Gründonnerstag bis zum Ostermorgen schweigen die Glocken. Am Karfreitag wird nur mit der größten Glocke zum Gottesdienst gerufen. Auch bei Beerdigungen und Trauerfeiern soll das Geläut darauf hinweisen, dass etwas fehlt, dass Trauer angesagt ist, indem mit weniger Glocken geläutet wird. Die Christusfeste – Weihnachten und Ostern – sind die Höhepunkte im Kirchenjahr. „Hier darf und soll dann alles läuten, was Klöppel hat.“ ²

¹ Dr. Claus Peter, Dokumentation 2017
² Empfohlen sei die Broschüre der Ev. Landeskirche v. Westfalen mit vielen wertvollen weiterführenden Literaturhinweisen: „Hörst du nicht die Glocken?“

Änderungen der Läuteordnung sind vom Presbyterium nach Beratung mit dem Glockensachverständigen zu beschließen.

Wenn im Turm die Glocken läuten, kann das vielerlei bedeuten.
Erstens: Dass ein Festtag ist. Dann: Dass du geboren bist.
Drittens: Dass dich jemand liebt. Viertens: Dass dich’s nicht mehr gibt.

(Erich Kästner)

Die Ev. Kirchengemeinde Bochum-Wiemelhausen dankt Herrn Dr. Peter für die Dokumentation und die Vermittlung an das Ing. Büro Schriek & Rohrberg in Lippstadt.

Gertrud Wegner

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