100(0) Eindrücke aus Malawi (Teil 3)

Aus der Gemeinde

28.02.2019

Zusammenfassung Teil 1 und 2:
Nach der anstrengenden Anreise, den ersten Eindrücken aus Malawi und einer kurzen Nacht haben die sechs Delegationsreisenden das erste Dorf besucht und dort die mitgebrachten Hilfsgüter (Decken, Mais, Seife, Kleider) verteilt und befinden sich aktuell auf der Fahrt ins nächste Dorf.

Da das Autoradio in unserem Minibus defekt war, spielte Felix, unser Senior-Koordinator, Reisebegleiter, Übersetzer und Fahrer, malawische Musik eines befreundeten Musikers von seinem Handy ab. Diese Musik sollte uns in den kommenden Tagen immer wieder begegnen und löst noch heute bei allen Mitreisenden schöne Erinnerungen an Malawi aus. Im nächsten Dorf wurden wir ebenfalls mit Gesang und Tanz empfangen, mischten uns fröhlich klatschend unter die Anwesenden und schüttelten viele Hände. Der Versammlungsort war hier ein uraltes Schulgebäude mit einem sehr löchrigen Wellblechdach und ca. 40 cm hohen gemauerten Bankreihen als Sitzgelegenheit. Das ebenfalls gemauerte Lehrerpult ähnelte eher einer Kanzel, mehr war an Einrichtung nicht zu verzeichnen, selbst Tafel, Kreide o.ä. – Fehlanzeige. Dennoch waren wir dankbar für Kühle und Schatten, denn die Sonne brannte mittlerweile heiß vom wolkenlosen Himmel. Noch vor dem Beginn unserer Ansprachen bemerkten wir die große Zahl an Kindern und beschlossen, kurzerhand parallel eine Art Kinderprogramm zu improvisieren, indem wir die Seiten mitgebrachter Malbücher einzeln und die Buntstifte ebenfalls einzeln verteilten, oder mit Liedern oder Abzählversen für Abwechslung und fröhliches Lachen sorgten.

Das Programm für die älteren Menschen und das Verteilen der Hilfsgüter liefen dagegen schon etwas routinierter. Auf dem Weg zum dritten Dorf stand noch ein Hausbesuch auf dem Programm. In Zweiergruppen, begleitet von jeweils einem Koordinator, besuchten wir verschiedene z.T. schon bettlägerige ältere Menschen in ihren meist sehr baufälligen Lehmhütten. Trotz der Sprachbarrieren gelang es meist, ein kleines Gespräch zu beginnen und mehr über den mühsamen Alltag und die katastrophalen Lebensumstände der älteren Menschen zu erfahren. Mit einer Verspätung von über einer Stunde kamen wir, bereits etwas abgekämpft, im dritten und letzten Dorf an diesem Tag an. Doch auch hier ermutigte uns die Freude und Herzlichkeit der Menschen, unsere letzten Reserven zu mobilisieren. Nach einem reichhaltigen afrikanischen Abendessen und der obligatorischen Auswertungsrunde gingen wir an diesem Abend ziemlich erschöpft ins Bett.

Die kommenden vier Tage verliefen in ähnlichem Schema, wobei wir das Programm meist aufgrund der aktuellen Situation im Dorf anpassten. In einem Dorf war unser Empfang beispielsweise ziemlich gedämpft. Schnell stellte sich heraus, dass an diesem Tag einer der Bewohner zu Grabe getragen worden war. Unser Versuch, der Trauer der Bewohner behutsam zu begegnen, wurde durch einen umso herzlicheren Abschied belohnt. So lernten wir insgesamt zehn unterschiedliche Dörfer und deren Bewohner in der Umgebung von Nkhoma kennen, wobei sich die Bilder immer ähnelten: Ältere Menschen und Kinder, keine medizinische Versorgung, Mangel an Nahrungsmitteln und Kleidung, baufällige
Lehmhütten mit undichten Dächern.

In den letzten Tagen vor unserer Rückreise nach Deutschland konnten wir auch noch etwas mehr von der schönen Natur in Malawi erleben. Höhepunkte waren die Besteigung des Nkhoma-Mountain, die uns einen herrlichen Rundumblick über die ganze Region im letzten Abendsonnenschein bescherte oder der Ausflug zum Malawi-See, wo wir unsere Erlebnisse mit den Koordinatoren in wunderbarer Strandatmosphäre austauschen und Pläne für die Zukunft schmieden konnten sowie das gemeinsame Grillfest am letzten Abend. Um mehr als 100(0) Eindrücke reicher kamen wir sehr bewegt wieder in unserer Welt voller Wohlstand, Überfluss und Reichtum an. Eindrücke, die keiner von uns jemals wieder vergessen wird.

Vor diesem Hintergrund lädt die Projektgruppe Malawi herzlich zum Benefizkonzert am Freitag 03.05.2019 um 19:00 Uhr im Baumhofzentrum ein.

Florian Barth