Altes loslassen, damit Neues entstehen kann.

Aus dem Presbyterium

05.03.2025

Vor einigen Tagen war ich zum ersten Mal in der Petrikirche. Obwohl ich einige Jahre nebenan im Pfarrhaus gewohnt habe, war es mir aus bekannten Gründen nicht vergönnt, einmal einen Blick hineinzuwerfen. Dies konnte ich jetzt nachholen. Der abgeräumte Altar, die eingepackte Orgel, das große Baugerüst, Wände von denen der Putz fällt, und gleichzeitig die schöne Holzdecke, das geschwungene Gestühl, die schönen Buntglasfenster. Ich war berührt und erschüttert zugleich.

Seit fast einem Jahr bin ich nun Finanzkirchmeister in dieser Gemeinde, und natürlich ist die Petrikirche immer wieder Bestandteil von Gesprächen und Beratungen. Wie jede andere Gemeinde in Bochum sind auch wir herausgefordert, intensiv über unsere Gebäude, ihre Nutzung und die Kosten nachzudenken. Darüber hinaus ist für das Haushaltsjahr 2025 schon in den Planungen deutlich geworden, dass wir an unsere finanziellen Grenzen geführt werden. Manches von dem, was uns als Gemeinde über Jahrzehnte ans Herz gewachsen und was uns wichtig ist, werden wir loslassen müssen. Dass dies ein schmerzhafter Prozess ist, versteht sich von selbst. Wir alle spüren, dass die Phase des Abschiednehmens erst angefangen hat. Wir werden innerhalb kürzester Zeit einschneidende Entscheidungen treffen müssen. Die Zukunft der Petrikirche und des Pfarrhauses in der Wiemelhauser Straße wird nur eine davon sein.

Altes loslassen, damit Neues entstehen kann. So könnte man aus meiner Sicht das, was in den kommenden Jahren auf uns zukommt, beschreiben. Sowohl unsere Finanzen als auch die Energie der Menschen, die sich ehrenamtlich und hauptamtlich für diese Gemeinde einsetzen, sind begrenzt. Aktuell binden wir Geld und Energie an Stellen, die unserer Entwicklung als Gemeinde mehr hinderlich als förderlich sind. Nur wenn wir es schaffen, gebundene Energie freizusetzen, werden wir als Gemeinde den innovativen Weg, auf den wir uns begeben haben, weiter voranzuschreiten können.

Loslassen von Altem setzt neue Kreativität frei, die Folge werden nicht nur gesunde Finanzen und ein neues Gebäudekonzept sein. Darüber hinaus werden auch neue Formen des Glaubens und der Gemeinschaft entstehen, die Antworten auf die Fragen und die Bedürfnisse der Menschen im Sozialraum Wiemelhausen geben.

Das Wichtigste was wir jetzt in dieser Phase brauchen, sind eine offene Kommunikation und eine transparente Kultur. Die Notwendigkeit der anstehenden Veränderungen ist (hoffentlich) allen bewusst. Noch haben wir die Möglichkeit, gestaltend in das was auf uns zukommt, einzugreifen, durch bewusstes Loslassen können wir Platz für Innovation und einen zukunftsfähigen Wandel schaffen.

In allem was, wir planen, tun wir gut daran, uns an der Jahreslosung für das noch junge Jahr zu orientieren: Prüfet alles – und behaltet das Gute.

Rainer Blauth