Auf ein Wort

Aus dem Presbyterium

01.06.2021

Liebe Leserin dieses Gemeindebriefes, lieber Leser!

„Machen Sie zur Erlangung jedes Ihrer Ziele einen Plan. Machen Sie  einen Tagesplan für alles, was sie tun müssen. Es ist nützlich, ihr Leben systematisch zu formen. Ein Mensch ohne Plan ist ein Blatt, das von den Lebenswinden hin – und hergeblasen wird. Die meisten dieser Blätter enden im Rinnstein! Wenn sie einen Plan haben, wissen Sie, wohin sie zu gehen haben und wann sie ihr Ziel erreicht haben.“

(Aus dem Bestseller „Erfolg kann man lernen.“)

Als junger Mensch war ich ein großer Fan von Selbsthilfe- und Ratgeberliteratur. Im Laufe der Zeit habe ich gottseidank gemerkt, wie einseitig diese Ratgeber denken, wie sehr sie unter Druck setzen, wie sehr sie uns an kleinen Freuden achtlos vorbeigehen lassen und uns in ein Korsett schnüren.

Derzeit werden ja alle Planstrategien ausgehebelt. Man macht einen Plan und dann: dann kommt Corona. Die geplante Konfirmation, das Familientreffen, die Geburtstagsfeier, der Urlaub, die Arbeit: nichts ist sicher.Oder man erkrankt, erlebt eine ungeplante und unerwartete Überraschung: der scheinbar so nette Nachbar entlarvt sich als ein im tiefsten aggressiver Streithansel. Oder auch andersrum: Ich bin gerührt und ebenfalls überrascht, wie außergewöhnlich hilfsbereit und verlässlich sich ein Freund in einer Krise zeigt, ich sehe, wie ein Lehrer sich unglaublich bemüht, den Kontakt zu seinen Schülern nicht abreißen zu lassen.Die Planbarkeit unseres Lebens: Mein Vikariatsleiter hat vor 30 Jahren seine Beerdigungen immer so begonnen: Nachdem uns der Tod die Unsicherheit unseres Lebens erneut vor Augen geführt hat, nehmen wir nun Abschied von…

Dagegen die Frage: Gibt es etwas, das Halt geben kann, in aller Unsicherheit und Unplanbarkeit?

Im Konfirmandenunterricht haben wir im April und Mai über den Sinn der Konfirmation gesprochen. Ein Segen wird den Konfirmandinnen und Konfirmanden im Gottesdienst zugesprochen. Was nützt der Segen, wenn er nicht schützt, wenn man infiziert werden kann, wenn Freunde komisch werden, Eltern sich streiten und ggf. trennen, wenn ich sitzenbleibe, wenn es Klimawandel gibt und der Regen ausbleibt? Vor einiger Zeit habe ich einige Sätze eines französischen Kollegen gefunden, die mich sehr berühren. Er hat geschrieben: „Obwohl das Gesegnetsein nicht vor Unglück, Krankheit und Tod schützt, ist es doch etwas anderes, ob wir gesegnet ins Ungewisse gehen oder ungesegnet. Es ist ein Unterschied, ob wir uns unter Gottes Namen gestellt wissen in dem, was wir tun und lassen, oder eben nicht. Und das hat nicht nur etwas mit den Regeln, die für unser Verhalten als Christenmenschen gelten, zu tun, sondern es spielt sich auch auf einer anderen Ebene unseres Lebens ab, auf der Ebene des Ahnens, des Fühlens, des Glaubens. Das Geheimnis des Segens ist das Geheimnis Gottes. Es sind Worte aus einer anderen Welt, die da aus menschlichem Munde kommen. Und daran liegt es wohl, dass am Segen alles gelegen ist.“

Worte aus einer anderen Welt: wie schön, wenn sie uns erreichen. Durch ein gutes Wort eines Freundes, durch einen Geistesblitz, durch eine überraschende Erfahrung, durch das Blühen und Wachsen in der Natur um uns herum.

Es grüßt Sie

Ihr Eckhardt Loer, Pfarrer