Aus dem Gemeindeleben und dem Presbyterium

Aus dem Presbyterium

01.06.2021

Nun mussten wir das zweite Osterfest unter Coronabedingungen feiern. 2020 hatten wir die Melanchthonkirche zu einem stillen Gebet geöffnet und an alle Besucher und Besucherinnen Osterkerzen und einen Ostergruß verteilt. In diesem Jahr blieben Kirche und BHZ ganz geschlossen, und nur eine kleine Verteilaktion an Passanten fand vor unseren drei Gottesdienststätten statt.

Die Diskussion im Presbyterium über die Öffnung oder Beendigung von Präsenzformaten entspricht der, die im öffentlichen und politischen Raum geführt wird. Auf der einen Seite wird die Notwendigkeit gesehen, möglichst viele Kontakte zu reduzieren, um die Ausbreitung des Virus zu verhindern. Auf der anderen Seite gibt es seelsorgerliche Gründe, besonders älteren Menschen in geschütztem Rahmen ein Zusammenkommen zu ermöglichen und dabei stärkende Worte oder aufrichtende Musik zu hören. Manchmal wünschen wir uns, wir wären etwas zentraler organisiert und alle Bochumer Gemeinden würden nach einem einheitlichen Verfahren entscheiden. 

Derzeit erreicht uns Kritik, dass den Bedürfnissen der älteren Gemeindeglieder zu wenig Rechnung getragen wird. Denn alle unsere zahlreichen – und eigentlich sehr erfolgreichen – Neuerungen wie die wöchentlichen zoom-Gottesdienste, die digitalen „Fingerhutkirchen“ (digitalis = Fingerhut), die facebooknachrichten, die podcasts und die vielfältigen digitalen musikalischen Darbietungen aus dem Kulturraum Melanchthon erreichen ja eher die mit Internet und Smartphone ausgestattete jüngere Generation. (Unsere digitalen Angebote/Gottesdienste wurden von Januar an bis jetzt von mehr als 1.600 Besuchern angesehen, die Homepage hatte vom 1.1. – 31.3. 6.500 Zugriffe, und 3.700 dieser Besucherinnen und Besucher haben sich ausführlich und länger mit den Inhalten beschäftigt.) In seinem Artikel über unsere “Gottesdienstlandschaft“ geht mein Kollege Martin Röttger auf das Problem, dass Ältere sich durch die gemeindliche Konzentration auf neue Medien manchmal ausgeschlossen fühlen, näher ein. Analog dagegen wurden jetzt, nachdem die meisten Bewohnerinnen und Bewohner der drei auf unserem Gemeindegebiet liegenden Altenheime geimpft sind, die dortigen Gottesdienstfeiern wieder aufgenommen. Sie wurden sehnsüchtig erwartet.

So wie es einen Impfstau gibt, erleben wir auch einen „Taufstau“. Da wir derzeit nur “Nottaufen“ – oder bei demnächst hoffentlich sinkender Inzidenz – Taufen nur im kleinsten Familienkreis – feiern können, sind viele dieser Gottesdienste in den September verlegt. Wir freuen uns über bisher schon zehn Täuflinge, die nach den Sommerferien in die Gemeinde aufgenommen werden. Ebenso werden die Konfirmationen im Spätsommer nachgefeiert. Bis dahin findet der Unterricht weiter digital statt.  Im Bereich der Gebäudekonzeption fühlen wir uns ein bisschen wie der Hauptmann von Köpenick: dieser hatte ja keinen Pass und bekam deshalb keine Arbeitserlaubnis. Aber ohne Arbeitserlaubnis bekam er keinen Pass. Weil unsere Kirchen unter Denkmalschutz stehen, dürfen wir sie nicht so verändern, dass sie von Investoren mitgenutzt werden können; weil sie aber für Investoren deshalb unattraktiv sind, haben wir keine finanzielle Möglichkeit, sie denkmalgerecht zu nutzen und zu erhalten. Eine sorgfältig vorbereitete Anfrage zur Nutzung der Petrikirche wird in diesem Monat an die Landeskirche gehen, und wir hoffen auf dortige zügige Bearbeitung.

Nachdem ja schon die wöchentlichen zoom-Gottesdienste in der Region Bochum-Süd gemeinsam gestaltet werden, wir ab September eine gemeinsame Jugendmitarbeiterin / einen gemeinsamen Jugendmitarbeiter einstellen werden, die Pfarrerinnen und Pfarrer gegenseitig zu Vertretungsdiensten bereitstehen, wird auch das Presbyterium ab November in einem geordneten Prozess Möglichkeiten der Zusammenarbeit ausloten. 

Zuletzt noch eine Personalie: Herr Dr. Ulrich Rau, bisher schon Mitglied des Presbyteriums, konnte als Finanzkirchmeister gewonnen werden und wurde im März einstimmig in dieses Amt gewählt. Wir sind dankbar für seine Übernahme dieses in diesen Zeiten nicht einfachen Amtes.

Eckhardt Loer