25 Jahre kirchliche Partnerschaft zwischen Bochum und Donezk
Im Jahr 1994 fassten in der Bochumer Partnerstadt Donezk lebende Russlanddeutsche den Beschluss, eine eigene Gemeinde zu gründen. Sie nannte sich „Deutsche Evangelisch-Lutherische Gemeinde Donezk“. Diese Russlanddeutschen suchten auf dem Hintergrund der Städtepartnerschaft den Kontakt zur evangelischen Kirche in Bochum. In einem Brief aus Donezk stand der Wunsch: “Schickt uns bitte einen Pastor, der uns beim Aufbau unserer Gemeinde hilft.“ Der frühere Lindener Pastor Manfred Schmidt , gerade im Ruhestand, war zur Hilfe bereit.
Im Februar 1995 begann sein erster Einsatz zum Aufbau der jungen lutherischen Gemeinde deutscher Sprache in Donezk. Viele weitere sollten folgen. Und ein kleiner Freundeskreis in Bochum, besonders aus den Gemeinden Linden und Wiemelhausen, unterstützte ihn bei seinem Engagement in unserer Partnerstadt. Pastor Schmidt sorgte sich nicht nur um das Seelenheil der Menschen. Er sah auch die große materielle Not, unter der sie litten. So rief er in den Bochumer Gemeinden immer wieder zu Hilfsaktionen auf. Und seine Bitten fanden Gehör – besonders in Wiemelhausen. Das damalige große Gemeindehaus, das Paul-Gerhardt-Haus, wurde zur zentralen Sammelstelle – zunächst hauptsächlich für gebrauchte Kleidung und Dinge des täglichen Bedarfs. Mindestens einmal jährlich wurde ein Riesen-LKW mit Humanitärer Hilfe auf die fast 3.000 Kilometer weite Fahrt nach Donezk geschickt. Als die lutherische Gemeinde im Jahr 2000 dann eigene Räume in einem ehemaligen Zechenkindergarten von der Stadt Donezk zugesprochen bekam, haben wir von Bochum aus die gesamte Einrichtung mit LKWs nach Donezk bringen lassen.
Das Domizil der Deutschen Evangelisch-Lutherischen Gemeinde erhielt den Namen „Bochumer Haus“. Sehr schnell entfaltete sich eine lebendige Gemeindearbeit. Neben Gottesdiensten wurden Bibelstunden, Konfirmandenunterricht, Hausmusikabende und auch Deutschkurse angeboten. Ein besonderer Schwerpunkt wurde von der Donezker Gemeinde auf soziales Engagement gelegt. Frauen aus der Gemeinde ließen sich in Häuslicher Alten- und Krankenpflege ausbilden, eine Sozialstation wurde im Jahre 2004 im Bochumer Haus eingerichtet. Bis heute kümmern sich 5 Frauen und ein Mann pflegerisch um ca. 175 ehemalige Zwangsarbeiter und Zwangsarbeiterinnen in Donezk. Um öffentliche Gelder für diese soziale Arbeit beantragen zu können, haben wir in Bochum einen Verein gründen müssen.
Er trägt den Namen „Freundeskreis Bochum-Donezk e.V.“ und ist sehr stark angebunden an die evangelische Kirche in Bochum. Besonders engagiert in diesem Freundeskreis sind Personen aus der Evangelischen Kirchengemeinde Bochum-Wiemelhausen.
Leider sind die Kontakte zu unserer Donezker Partnergemeinde seit 2014 wegen der politischen Veränderungen in der Ukraine fast ganz unmöglich geworden. Nach dem Krieg wurde die Volksrepublik Donezk geschaffen. Für uns sind Besuche in Donezk und Hilfslieferungen dorthin verboten. Wir können nur noch über das Internet und über Telefon miteinander Kontakt aufnehmen. Auch für die finanzielle Unterstützung der Donezker Gemeinde hat sich – Gott sei Dank – immer noch ein Weg gefunden.
Die Menschen in Donezk, besonders die Alten und die Pflegebedürftigen, brauchen unsere Hilfe.
Horst Grabski
