Malawi – Einige Stimmen

Diakonie

27.11.2019

Florian: Die diesjährige Delegationsreise nach Malawi war in vielerlei Hinsicht sehr erfolgreich und von positiven Entwicklungen gekrönt. Insgesamt waren sieben Mitglieder der hiesigen Projektgruppe über einen Zeitraum von vier Wochen im zweitärmsten Staat der Welt unterwegs, um den Menschen zu helfen und die Organisation „Alinafe – Communities of hope“ weiter aufzubauen.

Zunächst standen dabei einige Trainings für die ehrenamtlichen Mitarbeiter vor Ort (Koordinatoren) auf dem Programm: Kommunikation, Finanzen und Buchführung, Büroorganisation und Mitgliederverwaltung, PC-Schulung, Erste Hilfe Training etc. Schwerpunkt der Reise war jedoch die Vorbereitung und Durchführung der Verteilung von Hilfsgütern an ältere, gebrechliche, behinderte oder kranke Menschen in den Dörfern rund um Nkhoma (50 km entfernt von der Hauptstadt Lilongwe), die nicht (mehr) selbst für ihren Lebensunterhalt sorgen können. Sie sind die Zielgruppe der kleinen Organisation, die mittlerweile fast 1000 Menschen erreicht. Dank der großzügigen Spenden aus unserer Gemeinde, der koreanischen Gemeinde und zahlreicher weiterer Spender*innen konnten u.a. 4,4 Tonnen Mais, 750 kg Salz, 38 Ziegen sowie Schmerzmittel und Kleider verteilt werden. Ein weiterer Höhepunkt der Reise war ein mehrtägiger Ausflug mit den

Koordinatoren zum Malawi-See, wo sich die deutsche und die malawische Gruppe noch besser und in einem anderen Umfeld kennenlernen und aufeinander einstimmen konnten. Diese unvergesslichen Erlebnisse und Erfahrungen bereichern und beeinflussen mein Leben dauerhaft und nachhaltig.

Grazyna: Die Malawireise reinigt meine Seele. Ich erlebe an diesem Ort wunderschöne , unvergessliche Momente mit den afrikanischen Menschen! Diese Menschen geben mir so viel zurück und zeigen, mit wie wenig sie zurechtkommen müssen und mir ist bewusst, in welch großem Überfluss wir leben. Ich danke Gott jeden Tag im Gebet, dass ich etwas zurück geben kann direkt an diesem Ort für die ärmsten der Armen.

Martin: Am Dienstag haben wir Menschen aus Mbirima und Gonkho besucht. Das Dorf liegt auf einer weiten Hochebene. Auf einer Wiese stehen drei Bäume, die uns vor der Sonne schützen. Dahinter sind die Berge. Dort habe ich schon im letzten Jahr Martin kennengelernt.  Ich hatte ihn bei der Begrüßung zu mir gerufen und mich dann zu ihm gesetzt. Am Schluss habe ich ihm meine Kappe geschenkt. Ein Freund sah das und sagte: „You did a good work on him. His younger brother died these days.” Ich habe Martin darauf angesprochen. Er sagte: “Yes, this is right. But now you are my brother.” Zum Abschied sagte er, dass wir uns wiedersehen würden und dass er mich nicht vergessen werde. Es ist schön, einen Bruder in Malawi zu haben. Ich werde ihn auch nicht vergessen. 

Martin und Martin

Esther: Nach neunzehnstündigem Flug kamen wir in Lilongwe, der Hauptstadt Malawis an. Ein Schritt aus dem Flugzeug und ich rieche den aufregenden Geruch, den ich jedes Mal einatme. Es ist eine Mischung aus Sonne, Natur, Staub und auch den Menschen in Malawi, der in der Trockenzeit das gesamte Land sehr afrikanisch inspiriert. Ich war überrascht, dass so viele sich noch an mich erinnerten und dass die Wiedersehensfreude auf beiden Seiten so groß war. Umarmungen wurden ausgetauscht. Wir wurden mit Tanz und Gesängen herzlich empfangen. Ein schönes Gefühl, wieder beiein-ander zu sitzen und gegenseitig unser Leben mitzuteilen.

Wir kauften 90 Chitenges und verteilten sie mit den Koordinatoren zusammen in den Dörfern. Meine Aufgabe war, Chitenges kaufen und sie zu verteilen. Chitenge heißen die Umhänge für die Frauen in Malawi. Eine Chitenge verwendet man für vielfältige Dinge: Man macht daraus die wunderschöne Damenkleidung oder Röcke, Tragebänder für Babys oder auch Tragetaschen für Nahrungsmittel. Weil der Stoff sehr stabil ist und es so viel verschiedene wunderbare Farben und Muster gibt, begehrt jede Frau, ein Chitenge zu besitzen. Die alten Frauen, die selten ihr Chitenge selbst besorgen konnten, haben sich sehr gefreut und waren glücklich. In dem Dorf „Mjerema“ hielt eine alte Frau während der Versammlung ein Huhn auf ihrem Schoß wie ein Baby und als es zu Ende ging, schenkte sie uns ihr Huhn und verbeugte sich sogar zum Dank.

Es hat mich so berührt, dass sie uns trotz ihrer Armut etwas gibt. Da wurde unsere Freude umso größer. Ich erinnerte mich an die arme Witwe in der Bibel, die ihr ganzes Hab und Gut zum Opfer brachte. Jesus nahm ihr Herz und lobte ihren Glauben. Obwohl wir so wenig mitteilten, hatten wir viel mehr zurückbekommen: „Dankbarkeit für eine Kleinigkeit und Liebe zu den Menschen“. Ich durfte sogar noch 40 weitere Chitenges nach Deutschland mitnehmen, um mit Hilfe meiner Freundin Christa Horn die Produkte herzustellen. Letzte Woche, als ich mit Christa beim Nähen war, hat es die ganze Werkstatt mit Dankbarkeit gefüllt. … Mulungu ALINAFE

Seon Hee – aus Malawi: Der Himmel ist bei uns, wenn wir teilen, was wir haben… und wenn die Freude zu bekommen und zu geben nicht mehr zu unterscheiden ist.

Himmel und Erde treffen sich bei dem Fest, wo die Gnade Gottes sichtbar wird. Wie schön ist es, dass wir da sind, dass wir erleben dürfen, was die wahre Liebe bedeutet und dass wir einander mit den Augen Gottes sehen können! 

Für Interessierte findet am 06.12.2019 um 19:00 Uhr ein Malawi-Informationsabend mit Bildern und Texten von der Reise im Baumhofzentrum statt. Herzliche Einladung dazu.

Florian Barth –  Grazyna Kryczkowski –  Martin Röttger –
Esther Bae –  Seon Hee Lee