Bochum 700 Jahre Stadtrechte

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01.03.2021

Allgemein wird die Verleihung der Stadtrechte an Bochum durch Graf Engelbert II. von der Mark auf den 03. Juni 1321 datiert. Deshalb feiern wir in diesem Jahr 700 Jahre Stadtrechte Bochum. Es gibt jedoch Zweifel am Datum, weil Graf Engelbert in der im Stadtarchiv liegenden Originalurkunde nur „ältere Rechte seines Bochumer Hofes bekräftigt und präzisiert, der vielleicht schon  Ende des ausgehenden 8. Jhdts. bestand“ schreibt der Bochumer Historiker Dr. Dietmar Bleidick aus unserer Gemeinde in seinem Büchlein über 700 Jahre Bochum
(Bochum für Klugscheißer).

Eine Bauernschaft Wiemelhausen gab es 1321 vermutlich schon, denn bereits 1389 wird als Zeuge einer Grundstückssache beim Bochumer Freigrafen ein Huge von Wymelhusen genannt. Der Name Wiemelhausen ist aus Wymelhus entstanden. Ca. 130 Jahre später wird Wiemelhausen mit 7 Höfen und 33 erwachsenen Personen in einem Verzeichnis von Ritter- und Bauernhöfen erstmals genannt.

Wiemelhausen als Gemarkung – der Einteilung nach der preußischen Landvermessung, die heute noch für das Grundbuch gilt – hat meines  Erachtens eine wichtige Rolle für die Entwicklung von Bochum gespielt. Als Bochum sich durch den beginnenden Bergbau nachhaltig veränderte, war Wiemelhausen mit dabei. Schon 1634 kaufte die Stadt Bochum – op den Kohlbergen in Brensche von den Köllers die Kohlen* –  Mit Brensche war der Bereich der Wasserburg Brenschede im Süden von Wiemelhausen (Baumhofstraße) mit 22 Kötterhäusern gemeint, wo die zu Tage tretenden Flöze in den Kohlbergen ausgebeutet wurden*

Der Bergbau mit der nachfolgenden Industriealisierung erforderte immer mehr Arbeitskräfte und Wohnraum. Bochum dehnte sich durch Eingemeindungen aus. 1904 kam Wiemelhausen mit dazu. Weil die Familie von Schell ihren dortigen Grundbesitz an den Architekten  Erlemann verkaufte, konnte das Wohngebiet Ehrenfeld (Kleine Tocke) planmäßig mit einem zentralen Platz (Pater Romanus Platz) und der Prachtstraße Königsallee entstehen. 

In Wiemelhausen liegen unser Schauspielhaus, die Knappschaft, das Bergmannsheil – als erstes Unfallkrankenhaus der Welt – und die Bergbau BG. Daneben gibt es Filialen der Deutschen Bundesbank und der Agentur für Arbeit oder die Hauptverwaltung der BOGESTRA sowie wichtige Industriebetriebe, wie die Gebr. Eickhoff Maschinenfabrik.

Große Zechen wie Prinz-Regent, Glücksburg oder Julius-Philipp haben dazu beigetragen, dass Bochum 1929 mit 74 Schachtanlagen als größte Bergbaustadt Europas eingestuft wurde. 

An diese Zeiten erinnert der Malakow-Turm der Zeche Julius-Philipp an der Glücksburger Straße mit einer medizinhistorischen Sammlung

der benachbarten Ruhr Universität Bochum.

Auch verschiedene Persönlichkeiten mit Wurzeln in Wiemelhausen sind für die Stadt Bochum von besonderer Bedeutung. Zu diesem Bereich ist für den nächsten Gemeindebrief ein Bericht vorgesehen.

Reinhard Gülle

*kursiv: Bericht Dr. Hülsebusch im Heimatbuch Bochum von 1950