Reisebericht Malawi Teil 12

Hilfe für Malawi

19.10.2020

Teil 12 – Eine neue Gruppe in Nkohma

Nach nur wenigen Tagen wurden wir in unserem Guesthouse von immer mehr Menschen aufgesucht, die Hunger hatten und um Hilfe baten. Sie haben sich einfach auf die Treppen oder auf die Wiese gesetzt und warteten zum Teil über Stunden auf die „chinesische Frau“ damit war Seon Hee gemeint, die durch ihre Missionarszeit über die koreanische Kirche viele Jahre in Nkhoma gelebt und Hilfsprojekte aufgebaut hat und sicherlich auch in dieser schweren Stunde Hilfe für die ärmsten leisten würde.

Die Situation war emotional sehr belastend für uns, wir kamen gar nicht damit nach, Brote mit dick Margarine und Erdnussbutter zu bestreichen und Wasser auszugeben. Auch hat Seon Hee kurzerhand ihr persönliches Konto geplündert und jedem der Hilfesuchenden einen Betrag von 2.000 kwacha ausgehändigt, damit sie sich für die nächsten Tage etwas zu essen kaufen können. Und wie zu erwarten kamen immer mehr Menschen in das Guestouse.

Das Helfen ist keine einfache Sache….

Bereits zu ihrer Missionarszeit hat Seon Hee versucht den Menschen vor Ort zu vermitteln, dass Betteln keine Lösung ist und durch die Vermittlung von Fertigkeiten dazu beigetragen, dass die Menschen ihre Würde bewahren. Daher haben wir nicht nur Essen und Geld an die Hilfesuchenden verteilt. Mit Hilfe eines ein-heimischen Mitarbeiters des Guesthouse ist Seon Hee nicht nur mit den Menschen ins Gespräch gekommen, vielmehr hat sie die Situation genau erfragt. In den vielen Gesprächen konnte Seon Hee feststellen, dass die Hilfesuchenden aus dem einzigen Gebiet stammen in der es keine Gruppe von Alinafe – Communities of Hope gibt.
Zion hat eine Liste mit allen Namen der Hilfesuchenden erstellt. Denn Seon Hee reicht es nicht die akute Not zu lindern, vielmehr geht es ihr um langfristige Unterstützung. Es wurden alle Hilfesuchenden zu der Gruppensitzung in Nkhoma einge-laden, damit sie die Organisation Alinafe, ihre Philosophie und Arbeitsweise kennenlernen.

Die meisten der Hilfesuchenden sind ältere und oder behinderte Frauen, einige davon sind auch junge Mütter, wie auf dem Bild zu sehen ist. Mit zerrissenen Kleidern und dem neuge-borenen Mädchen saß die junge Mutter auf der Treppe. Einige waren zudem erkrankt, diese hat Seon Hee mit weiterem Geld in das nahege-legene Krankenhaus geschickt.

Anhand der großen Gruppe von Menschen, die sich morgendlich vor unserem Guesthouse aufhalten, haben wir ein wenig Sorge vor den Menschenmassen, die am folgenden Samstag zu der Gruppensitzung kommen könnten.

Während einer Pause, die wir zu einem Volleyballspiel mit Missionaren und Einheimischen genutzt haben, kam ein amerikan-ischer Missionar auf uns zu und fragte uns nach Alinafe und der Arbeitsweise von Alinafe. Nach einiger Zeit schilderte er uns die Situation in den letzten Wochen in Nkhoma, die durch Hunger in der Bevölkerung geprägt war. Große Menschengruppen versammeln sich vor den Häusern der weißen Missionare oder Ärzte, die in Nkhoma arbeiten und leben. Er beschrieb uns die gleiche Situation, die auch wir erfahren haben. Sie sitzen stumm vor ihren Häusern und warten … auf Nahrungsmittel, medizinische Versorgung oder Geld. An manchen Tagen, sitzen bis zu 300 Menschen und warten geduldig vor ihren Türen. Greg, der weiße Missionar und Lehrer gab uns dann 600.000 kwacha mit dem Hinweis, dass wir Nahrungs-mittel für die Menschen kaufen und verteilen sollen. Das gerechte Verteilen wollte er uns bzw. den einheimischen Koordinatoren von Alinafe überlassen.

Von dem Geld haben wir Maismehl, Salz und Seife für die Menschen gekauft, die wir für Samstag erwarten. Zusätzlich Materialen, um Bastmatten und Körbe zu erstellen. Schließlich ist das Ziel von Alinafe „Hilfe zur Selbsthilfe“, durch das Fertigen von Gütern, die verkauft werden sollen. Greg und seine Frau haben wir für Samstag eingeladen, damit sie die Arbeit von Alinafe hautnah miterleben können und sich mit den Koordinatoren vor Ort vernetzen.

Am kommenden Samstag sind wir nachdem wir frühmorgens aufgestanden und Ziegen auf dem Markt gekauft haben auf die große Wiese am Stadtrand, wo sich die Gruppe von Kilion trifft. Hier hin haben wir auch die Hilfesuchenden gebeten. Und unsere Hoffnung und Befürchtung ist in Erfüllung gegangen. Es kamen hunderte von Menschen.

Mit den Missionaren haben wir alle gemeinsam die Veranstaltung durchgeführt. Alinafe und die Arbeitsweise wurden vorgestellt. Es wurde gesungen und gebetet und am Ende Maismehl, Salz und Seife verteilt.

Eine neue Gruppe in dem Gebiet, wo Alinafe noch keine Gruppe hat, wurde von unserem Koordinator Kenneth übernommen. Auch wurde bereits am Samstag eine Chairperson benannt, die bei der Organisation der Gruppe vor Ort helfen wird. Ein ereignisreicher Tag ist zu Ende gegangen. All unsere Befürchtungen nach Eskalation aufgrund des Hungers sind nicht eingetreten. Die bereits gut organisierten Gruppenmitglieder von Kilion haben positiv auf die Menschen einwirken können.

Einige Tage später kam Greg erneut auf uns zu und übergab uns weitere 500.000 Kwacha. Während die 600.000 Kwacha Spenden von verschiedenen Missionaren und Ärzten stammen, haben Greg und seine Frau die 500.000 persönlich gespendet. Sie haben Vertrauen in die Arbeit von Alinafe Comunities of Hope und der Koordinatoren und wollen diese auch weiterhin unterstützen. Killion, der der Schatzmeister von Alinafe in Nkhoma ist, war sehr erfreut über all die Unterstützung. Erstmals erfahren die Koordinatoren direkte

Hilfe durch die Missionare in Nkhoma. In dem kleinen Alinafe-Büro besprechen wir die möglichen Projekte und die Verteilung der Gelder für unterschiedliche Projekte, wie die Anschaffung von Maismehl, black sheets, Gemeinschaftsgärten oder auch dem Gruppenfond.


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