Wuselgottesdienst

Gottesdienstzeiten:

Baumhofzentrum: 10.00 Uhr

Melanchthonkirche: 12.00 Uhr

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Liebe Gemeinde,

Ein Mann vor mir im Dönerladen sagt:
„Einmal Döner. Mit Alles“.
Doch noch bevor der Dönermann
den schönen Fladen
mit Allem, was er hat, beladen kann,
wird er gestoppt:
„Mit Alles“, wiederholt der Mann,
„mit Alles aber ohne scharf“.

Mit Alles aber ohne scharf.

Was beim Döner geht, geht im Leben wohl nicht: ein volles Leben mit allem Schönen aber ohne Härten kann man wohl nicht haben. Das volle Leben hat auch Scharfes. Krisen, an denen man wächst oder sich die Zähne ausbeißt. Auseinandersetzungen mit der Partnerin oder dem Partner, mit Kindern, mit Arbeitskolleginnen- und Kollegen, Wirtschaftskrisen, Kriege und Tode.

In meiner Jugend und als junger Erwachsener habe ich gedacht, man würde als Mensch durch Lebenserfahrung schlauer. Besser in der Bewältigung von Problemen und Auseinandersetzungen. Ich habe auch gedacht – wie naiv! – die Menschheit im Allgemeinen würde schlauer. Die Menschen würden nach und nach verstehen, dass Krieg keine Möglichkeit ist, Konflikte zu lösen, oder dass sie begreifen würden, dass man mit einem Weiter so im Konsumverhalten den Klimawandel gefährlich befördert.

Inzwischen sehe ich das anders. 242 Kriege gab es in der Welt seit dem 2. Weltkrieg. Und nun gibt es auch wieder einen in Europa, das doch wahrlich auch genug gelitten hat. Ich glaube nicht, dass die Menschheit insgesamt sich stetig zu Höherem entwickelt.
Jede Generation neu muss durch Krisen gehen, meistert sie oder scheitert daran. Durch jeden und durch jede von uns geht ja auch diese Grenze von gut und nicht gut, die wir ja ständig mal auf die eine, mal auf die andere Seite hin überschreiten. Wenn wir Glück haben, dann lernen wir – wenn das Böse das Übergewicht hat – dass wir das auf Dauer nicht wollen, und suchen Wege zum Guten.

(Und irgendwann gibt es wieder eine neue Baustelle, wo wir uns wieder auf Böses einlassen.)

Aber: und das ist die christliche Verheißung: das Böse gewinnt nicht. Bei der Konfirmation des Baumhofbezirkes stand auf dem Deckblatt des Gottesdienstprogrammes ein kurzes Glaubensbekenntnis: „Ich glaube, dass unter Allem,auch unter dem, was schwer ist, sozusagen eine Schicht tiefer, eine Lebenskraft lauert, die erreicht werden will und manchmal erreicht werden kann. Eine Kraft, aus der heraus man immer wieder zum Leben und zum Guten finden kann, auch wenn es oben Trauriges gibt. Auch, wenn man sich klein und machtlos fühlt.
Vielleicht ist diese Kraft ewig da. Und stärkt und macht groß. Und hilft immer neu, Böses zu überwinden.“

Vielleicht kann man sich immer mehr dieser Kraft bereitstellen, und dann mit Neugier und Interesse sehen, was sich daraus Gutes entwickelt.

Ich wünsche einen guten Sommer.

Ihr Eckhardt Loer

 

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